Chondroblastom: Rezidiv nach 24 Jahren!
Im Live-Gespräch vom Februar 2026 warfen Prof. Dr. Arne Streitbürger und Katharina Edl einen Blick auf einen etwas anderen Fall: Ein Rezidiv eines Chondroblastoms, das nach 24 Jahren auftrat! Die heute 42-jährige Patientin aus Bosnien ist verzweifelt und in ihrer Lebensqualität beeinträchtigt.
Als damals 16-Jährige wurde Sara* im Dezember 2002 die erste Biopsie entnommen. Diese ergab, dass es sich bei dem Tumor in Sara's linkem Becken um ein Chondroblastom handelte. 2004 erfolgte eine Kürettage um die Region des Pfannendaches. Der Defekt wurde mit Knochenzement aufgefüllt. Fortan war sie nur mit Unterarmgehstützen mobil und unterzog sich Kontrollen im Rhythmus von 1 Jahr.
Vor 17 Jahren brachte sie ihren Sohn zu Welt.
2025 zeigten sich bei der jährlichen Kontrolluntersuchung neu aufgetretene Läsionen.
"Mein Bein ist weder geschwollen, noch hat sich seine Hautfarbe verändert, aber das Gelenk ist sehr aufgeweicht", erzählt uns Sara von ihrer aktuellen Situation. "Ich muss aufpassen, das Bein nicht zu sehr zu belasten. Ich bin nun einfach unglaublich unsicher, was ich tun soll! Ich will das abklären".
Auf der Suche nach dem passenden Spezialisten für ihre Thematik stieß Sara auf die Initiative Menschen und der Knochenkrebs und berichtete uns von ihrem langen Leidensweg. Im Live-Onlingespräch erhoffte sich die Bosnierin von Tumororthopäde Prof. Streitbürger Rat.
Und wie bewertet der erfahrene Tumororthopäde diese Bildgebung? "Das ist natürlich ein schwieriger Fall. Das Röntgenbild zeigt sozusagen ein Hüftgelenk, das bereits destruiert ist, bei dem der Kopf zum Teil schon weggeschmolzen und die Hüftgelenkspfanne völlig aufgelöst ist. So wie das Röntgenbild aussieht, kommt es hier bereits zu einer Versteifung des Gelenkes. Obendrein sitzt dort nun auch noch ein Tumor-Rezidiv, was ich alleine am Röntgenbild gar nicht wirklich beurteilen kann. Der Patientin nun eine vollumfassende Beurteilung und Therapieempfehlung zu sagen, dafür reicht das Röntgenbild nicht aus", erläutert Prof. Streitbürger.
Bei Chondroblastomen gilt es in der Regel eine Kürettage durchzuführen und mit Knochenersatzstoffen aufzufüllen. Doch bei einem Rezidiv, besonders im Falle der 42-jährigen Sara scheint diese Option bereits ausgeschöpft. Doch es gibt auch für ihren Fall einige weitere Behandlungsmöglichkeiten. Streitbürger plädiert darauf, diese in einem persönlichen Gespräch nochmals genau abzuklären. Eine sehr gute Behandlungsmöglichkeit sieht er aber beispielweise durch den Einsatz eines Kunstgelenkes:
"Es gibt bei Fällen wie diesen die Möglichkeit, das Hüftgelenk zu ersetzen und eine spezielle, patientenindividuelle 3D-gedruckte Pfanne aus Titan zu verwenden. Aber klar ist: Dieser Fall ist nicht banal. Das muss ordentlich besprochen werden.
Das Vorgehen bei diesem Eingriff sei dann vergleichbar mit einer inneren Hemipelvektomie, doch davor hatte Sara all die Jahre Angst und davor aufgrund der Seltenheit ihres Falle eine Art "Experiment" zu sein.
"Nein, ein Experiment ist sie sicher keines", verspricht Prof. Streitbürger. "Dadurch, dass sie nicht chemotherapiert und bestrahlt wurde und auch nicht wird, hat sie sogar bessere Voraussetzungen, als die onkologischen Patienten. Vor allem was die Wundheilung, sowie die Stabilität des Implantates auf längerfristige Sicht betrifft.
Unabhängig davon, wie letztendlich der Therapieweg von Sara aussieht, bewegt sie diese einen Frage: Wieso kam der Tumor nach zwei Jahrzehnten zurück? Welche Faktoren könnten ausschlaggebende sein?
"Das lässt sich nicht an einem Faktor festmachen. Natürlich kommt es darauf an, wie die Patientin zuvor therapiert wurde. Normalerweise werden Chondroblastome nicht radikal, oder vollständig entfernt. Sie werden lediglich ausgekratzt, somit bleiben stets kleine Tumorzellen vor Ort. Bei dem einen Patienten kommt der Tumor dann nach einer gewissen Zeit wieder, weil sich womöglich lokale Bedingungen im Knochen ändern, weil vielleicht das Immunsystem kompromittiert ist und die Tumorzellen dort wieder eine Umgebung finden, die das Wachstums anregt. Bei anderen Patienten machen sie das wiederum nicht und keiner kann genau sagen, warum das so ist. Klar ist: Ein Chondroblastom-Rezidiv nach mehr als 20 Jahren ist eine lange Zeit. Das sieht man tatsächlich äußerst selten. Normalerweise tauchen diese bis spätestens 5 Jahre nach Therapieende auf. In Sara's Fall sollte man dem also dringend nachgehen!"
Für Sara beginnen nun Vorstellungen in den verschiedenen Zentren, um für sich die beste Therapiewahl zu treffen.
*Name redaktionell geändert